Von:
Heinrich Bedford-Strohm

e-evangelisch.de

„Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin“ – so singt der Kölner Kabarettist Jürgen Becker und begründet dies so: „Die haben ja nichts anderes als arbeiten im Sinn“.

Zugegeben: Ich arbeite gerne und vielleicht manchmal auch zu viel. Und ich weiß von vielen anderen Evangelischen, dass es bei ihnen auch so ist. Aber ist die Arbeit wirklich unser Markenkern? Natürlich nicht!

Evangelisch sein heißt für mich zuallererst und zutiefst: Ich darf darauf vertrauen, von Gott angenommen zu sein. Weil und obwohl er mich kennt, mit meinen Stärken und Schwächen, Höhen und Tiefen, Erfolgen und Niederlagen – er steht auf meiner Seite. Dem kann ich nichts wegnehmen und auch nichts hinzufügen. Ich brauche es auch nicht.

Dieses Wissen macht mich zuversichtlich und fröhlich. Es hilft mir, morgens gerne aufzustehen und abends getrost einzuschlafen. Es hilft mir auch, mit mir selbst und anderen barmherzig zu sein. Ich kann auf das Gute schauen und muss mich von Schwierigkeiten nicht gefangen nehmen lassen.

Ich weiß, dass mein Beitrag in unserer Kirche und in der Gesellschaft – so ernst ich ihn nehme – immer begrenzt ist. Das finde ich ungeheuer befreiend und deswegen arbeite ich im Übrigen auch so gerne als das, was ich bin: Mitarbeiter am Evangelium Christi.